Forschung & Entwicklung (F&E)

F&E – Diagnostik

Die Kinderkrankheit Ringelröteln trat Ende 2023 und Anfang 2024 in der Schweiz stark gehäuft auf. Blutspenden von Personen, die mit dem auslösenden Parvovirus B19 infiziert sind, können für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich sein. Deshalb testen wir alle Blutspenden auf dieses Virus. Im Jahr 2025 wurde der Ringelröteln-Ausbruch des Jahres 2024 bei der Interregionalen Blutspende SRK wissenschaftlich aufgearbeitet. Wir stellten fest, dass Blutspendedienste sehr gut geeignet sind, die Erkrankungsraten auch in Bezug auf die Gesamtbevölkerung zu überwachen. In den Blutspendediensten merkt man schnell, wenn die Ringelröteln-Fallzahlen ansteigen, und kann Swissmedic und das Bundesamt für Gesundheit entsprechend informieren.

Wir entwickelten auch ein molekulargenetisches Verfahren (PCR-System) für die Genotypisierung des Bluts von Menschen afrikanischer oder asiatischer Herkunft. Personen aus diesen Weltregionen haben oft andere Blutgruppenkonstellationen als Personen, welche aus Europa stammen. Deshalb kann es schwierig sein, für Menschen aus Afrika oder Asien geeignete Blutprodukte zur Verfügung zu stellen. Das neue Verfahren für die Genotypisierung und das Projekt Kryobank (siehe Bericht Labordiagnostik) tragen dazu bei, die Versorgungssicherheit von Personen aus diesen Kontinenten zu erhöhen.

In einer Studie befassten wir uns mit der Verbreitung von SARS-CoV-2, dem Auslöser von COVID-19. Wir wollten wissen, wie viele Menschen nach der Pandemie 2020–2022 mit dem Virus in Kontakt gekommen waren. Es zeigte sich, dass im Jahr 2024 99,5 % aller Blutspendenden in der Schweiz Antikörper gegen das Virus aufwiesen. Diese Personen haben entweder eine COVID-19-Erkrankung durchgemacht oder wurden gegen SARS-CoV-2 geimpft.

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F&E – Produkte

Studienresultate, die in der Interregionalen Blutspende SRK erarbeitet wurden, konnten im Jahr 2025 an verschiedenen internationalen wissenschaftlichen Kongressen vorgestellt werden.

Bei einem neuen Projekt, das 2025 gestartet wurde, arbeiteten wir mit dem Universitätsspital Lausanne und mit dem Institut Imagine in Paris, Frankreich, zusammen. Wir haben untersucht, warum und wie bestrahlte rote Blutkörperchen (Erythrozyten) während der Lagerung altern. Ein Grund für die vorzeitige Alterung von gelagerten Erythrozyten besteht darin, dass in ihnen der Eiweissstoffwechsel nicht mehr gleich gut funktioniert wie bei Erythrozyten im Blutkreislauf. Dieselbe Störung betrifft auch Menschen mit Beta-Thalassämie, einer Krankheit, bei der die roten Blutkörperchen viel zu früh abgebaut werden. Die betroffenen Personen leiden unter schwerer Blutarmut. Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse über die Proteinregulation in Erythrozyten dazu beitragen werden, neue Behandlungsmöglichkeiten in der Zukunft für Menschen mit Beta-Thalassämie zu entwickeln.

Plasma- und Thrombozytenprodukte durchlaufen eine Pathogeninaktivierung: Krankheitserreger, die in diesen Blutprodukten möglicherweise vorhanden sind, werden mithilfe von speziellen Chemikalien und UV-Licht inaktiviert. Momentan dauert einer der Schritte dieses komplexen Prozesses bei Thrombozyten zwischen 6 und 16 Stunden. In einer internationalen Studie untersuchten wir unterschiedliche Methoden, um die Pathogeninaktivierung zu verkürzen. Es zeigte sich, dass sie nur noch fünf oder sogar nur vier Stunden dauern könnte, wenn die Bedingungen des Verfahrens entsprechend angepasst würden. Diese Zeitverkürzung würde es erlauben, den Produktionsablauf bei Blutprodukten noch besser zu organisieren.

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